In zahlreichen Städten Sachsens ist am heutigen Holocaust-Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert worden. Zur Gedenkstunde im Sächsischen Landtag warnte die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, vor einem wiederentflammten Antisemitismus. "Die alten Dämonen drohen zu erwachen, auch in Deutschland, auch in Europa", sagte sie. "Jude - das habe ich persönlich erlebt - ist wieder ein Schimpfwort." Die jüdische Gemeinde blicke mit Sorge in die Zukunft. Ausführlich widmete sie sich auch der Flüchtlingskrise. "Es gehört zu den unschönen Wahrheiten, dass Antisemitismus in vielen Heimatländern der Geflüchteten selbstverständlich ist", erklärte Knobloch.

 

"Ihre Partei bringt zu viele Gestalten und Thesen hervor, die nicht nur Geschmackssache sind, sondern radikal rechts, nationalistisch und somit gefährlich."

Charlotte Knobloch zur im Saal sitzenden Bundeschefin der Alternative für Deutschland, Frauke Petry.

 

Knobloch forderte mehr Patriotismus und Selbstbewusstsein in Deutschland. "Wir müssen aufrechte Patrioten sein - nicht trotz, sondern wegen unserer schrecklichen Geschichte." Der Satz "Wir sind das Volk" müsse von den Demokraten stärker ernst genommen werden. "Überlassen Sie das Wir nicht den Falschen, den ideologischen Scharfmachern und Hetzern", betonte die Holocaust-Überlebende in ihrer Rede im Landtag, nur wenige Hundert Meter davon entfernt, wo jeden Montag Pegida-Anhänger demonstrieren. Kritik übte sie "Pegida"-Bewegung, zu der keine Patrioten gehörten, sondern "Scharfmacher". Das betreffe auch Teile der Partei AfD, die radikal rechts und nationalistisch sowie von Neonazis unterwandert sei. Der Parlamentarischer Geschäftsführer und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD, Uwe Wurlitzer, hat daraufhin den Saal verlassen.

 

Rößler fordert entschiedenen Kampf gegen Antisemitismus

 

Landtagspräsident Matthias Rößler fordert zur Gedenkstunde vor 350 Zuhörern "mehr politische Entschiedenheit" im Kampf gegen Antisemitismus. Hass gegen Menschen dürfe in Deutschland keinen Platz haben. "Es beschämt mich, wenn Juden in Europa heute wieder in Angst leben, wenn sie wieder ihr Judentum in der Öffentlichkeit verbergen müssen und aus Europa emigrieren", sagte der CDU-Politiker. Die Anschläge in Frankreich, die Attentate auf das jüdische Museum in Belgien und die Synagoge in Kopenhagen bezeichnete er als antijüdischer Terror.