Die Angst ist nicht rechts

 

http://www.fr-online.de/aktuelle-kommentare/afd-und-pegida--die-angst-ist-nicht-rechts-,30085308,34281444.html

von STEPHAN HEBEL

 

Aus der Angst formen Rechtspopulisten ihre fremdenfeindlichen Parolen. Die Demokraten sollten ihnen die Hoheit darüber nicht überlassen. Ein Kommentar.

 

Es gibt ein Gefühl, das für offene Gesellschaften so gefährlich werden kann wie kaum etwas sonst: die Angst. Aus ihr formen Rechtspopulisten ihre fremdenfeindlichen und unrealistischen Parolen. Gerade deshalb sollten Demokraten die Angst nicht den Rechten überlassen.

 

Man muss nicht AfD wählen, um Unbehagen zu spüren, wenn die Zahl der Einbrüche steigt. Man muss nicht mit Pegida marschieren, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass unter den Tätern (neben vielen Alteingesessenen) auch eine nennenswerte Zahl krimineller Reisegruppen aus anderen Ländern sind. Und selbst der berechtigte Verweis auf die explodierende Zahl von Gewalttaten gegen Ausländer kann die Furcht, zum Opfer einer Einbrecherbande zu werden, nicht einfach tilgen.

 

Alternativen aufzeigen

Wer etwas gegen Kriminalität tun will, muss nicht wie die AfD nach dichten Grenzen rufen, sondern deutlich machen: In einem Europa der Schlagbäume wäre Deutschland der erste Verlierer. Wer auf demokratische Weise etwas tun will, muss aber auch Alternativen aufzeigen: Ende der übertriebenen Sparpolitik, auch bei der Polizei; bessere internationale Kommunikation unter Sicherheitsbehörden; Kampf gegen die Verarmung ganzer Stadtviertel, in denen manchmal selbst der Nachbar zum Einbrecher wird. Oder ist das auch schon zu kompliziert?