Früherer OB-Kandidat von Bad Kreuznach wegen falscher Kennzeichen in der Klemme

 

Von Rüdiger Lutterbach

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/bad-kreuznach/stadt-bad-kreuznach/frueherer-ob-kandidat-von-bad-kreuznach-wegen-falscher-kennzeichen-in-der-klemme_16896589.htm

 

BAD KREUZNACH - Die Szene war durchaus filmreif: Beamte des Bad Kreuznacher Ordnungsamtes kontrollieren am Freitagmorgen gegen 8 Uhr an der Ecke Lucas-Cranach-Straße/Franz-Marc-Straße ein rotes Firmenfahrzeug. Der Fahrer widersetzt sich der Kontrolle, verriegelt die Türen. Die Ordnungsbeamten blockieren mit ihren Dienstwagen das Firmenfahrzeug, hindern es daran wegzufahren. Später kommt noch die Polizei hinzu. Laut Augenzeugenbericht schlagen die Beamten schließlich die Seitenscheibe ein und zerren den wild schimpfenden Mann aus seinem Fahrzeug, pressen ihn zu Boden, um ihn ruhig zu stellen.

 

Der Mann, der dort unter lautstarkem Protest festgehalten wird, ist vielen Bad Kreuznachern bestens bekannt: Es handelt sich um Rainer Wink, Elektromeister und ehemaliges Stadtratsmitglied. Als Oberbürgermeisterkandidat war er 2011 der „Steigbügelhalter“ von Dr. Heike Kaster-Meurer bei deren Überraschungserfolg gegen den damaligen Amtsinhaber Andreas Ludwig.

 

Stadtrechtsdirektorin Heiderose Häussermann als Leiterin des Amts für Recht und Ordnung bestätigte gegenüber unserer Zeitung den Einsatz, auch die Identität der „Zielperson“. Worum es ging? Wink, so Häussermann, fahre seit Wochen mit nicht zugelassenen Fahrzeugen, die er mit falschen Kennzeichen und gefälschten TÜV-Plaketten versehen habe, durch die Gegend. Am Freitagmorgen wurde Wink zum wiederholten Mal dabei erwischt. Von Einsicht jedoch keine Spur, Wink habe sich der Aufforderung der Beamten, aus seinem Fahrzeug auszusteigen, widersetzt. Schließlich wurde er von der Polizei mit aufs Revier genommen, um den Sachverhalt zu klären.

 

Schillernde Figur

 

Am Nachmittag wurden Ordnungsamt und Polizei dann ein zweites Mal vorstellig im Maler-Viertel. Diesmal wurde offenbar Winks Privatfahrzeug durchsucht und einige Nummernschilder beschlagnahmt. Wieder soll er sich den Beamten widersetzt haben und erneut wurde er auf offener Straße zu Boden gedrückt, weil er keine Ruhe gab. Schließlich musste sogar der Notarzt gerufen werden, der Wink zur weiteren Versorgung mitnahm.

 

Rainer Wink gilt als schillernde Figur der Bad Kreuznacher Kommunalpolitik. Bei der OB-Wahl 2011 hatte er als parteiloser Kandidat im ersten Wahlgang überraschend 11,8 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können. Anschließend empfahl er seinen Wählern, bei der Stichwahl für Heike Kaster-Meurer zu stimmen, die sich dann tatsächlich gegen Ludwig durchsetzen konnte.

 

Aus Stadtrat ausgeschlossen

 

Anschließend wurde es ruhig um den Politiker Wink, der sich fortan als Obermeister der Elektroniker-Innung engagierte. Kurz vor der Kommunal- und OB-Wahl 2014 meldete er sich aber wieder zurück. Als Parteiloser bewarb er sich erneut für das OB-Amt, als AfD-Kandidat für einen Sitz im Stadtrat. Den holte er sich dann auch, doch im September 2015 wurde er aus dem Parlament ausgeschlossen.

 

Der Grund: In einem Schreiben hatte Wink dem Stadtrat mitgeteilt, dass es seit 1990 keinen deutschen Staat mehr gebe, sodass er auch kein Staatsbürger sein könne. Er beanspruche daher für sich eine „staatliche Selbstverwaltung“. Und da es die Bundesrepublik Deutschland ja nicht gebe, existiere auch kein Staat, dem er sich zu beugen und dem er Steuern zu zahlen habe. Die AfD ging auf Distanz zu Wink, der schließlich – als erstes Stadtratsmitglied überhaupt – aus dem Gremium geworfen wurde, weil er sich, so die Begründung, „seiner Stellung als Ratsmitglied unwürdig“ erwiesen habe.

 

Neue Wandlung

 

Inzwischen hat Rainer Wink eine weitere Wandlung erfahren. Auf Facebook tritt er als „Rainer Nataroh Oshoo“ auf, bezeichnet sich als „Weg-Begleiter“, was auch immer das heißen mag. Sein eigener Weg führte ihn am Freitag zumindest vorübergehend in die Klemme von Polizei und Ordnungsamt. Nun erwarten ihn mehrere Strafverfahren.