SPD ist für Umbenennung in „Lieber-Onkel-Putin-Pipeline“

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article188521255/Nord-Stream-2-SPD-will-Umbenennung-in-Lieber-Onkel-Putin-Pipeline.html

 

Von Sascha Lehnartz

 

Was war das denn jetzt? Unser Autor blickt auf die vergangene Woche zurück und wundert sich über so manche Entscheidung. Unter anderem verblüffte ihn ein Witz von Donald Tusk und der ökonomische Sachverstand Gerhard Schröders.

 

Die alte Tante SPD ist wie eine mittelständische Feilenfabrik, die sich mit dem Generationswechsel plagt. Das Kernprodukt ist in die Jahre gekommen. Die Juniorchefin ist installiert, aber der Patriarch lässt es sich nicht nehmen, einmal im Jahr bei der Kölner Eisenwarenmesse persönlich vorbeizuschauen und den Stammkunden zu erzählen, für eine Frau mache die Kleine das ganz ordentlich. Letztlich habe sie aber keine Ahnung. Jedenfalls nicht so viel wie er früher.

 

Am Samstag ließ Gerhard Schröder im „Spiegel“ verlauten, Andrea Nahles würde vermutlich nicht einmal von sich selbst behaupten, über ökonomischen Sachverstand zu verfügen. Im Gegensatz zu Schröder, der das selbstverständlich von Schröder behauptet. Wie immer sind bei der SPD gleich mehrere Pensionäre mit hilfreichen Tipps unterwegs.

 

Sigmar Gabriel lobte am Montag Sozialminister Hubertus Heil dafür, sein Ministerium auf Vordermann gebracht zu haben. Das leitete zuvor eine gewisse Andrea Nahles. Heil umwirbt die aussterbende Spezies des SPD-Stammwählers mit der „Respekt-Rente“, die er am Sonntag vorstellte – nach dem „Gute-Kita-Gesetz“ und dem „Starke-Familien-Gesetz“ ist dies ein weiterer Versuch der Sozialdemokraten, Redaktionen, die für Nachrichten in kindgerechter Sprache zuständig sind, die Arbeit abzunehmen.

 

Die Respekt-Rente wird künftig unter der Auflage ausgezahlt, dass jeder Empfänger einmal im Monat ein YouTube-Video von sich ins Netz stellt, in dem er „R-E-S-P-E-K-T, danke liebe S-P-D!“ singt. Die Mutter des Gute-Kita- und des Starke-Familien-Gesetzes, Franziska Giffey, hat derweil ein typisches Minister-Problem.

 

Am Freitag kam heraus, dass sie möglicherweise Teile ihrer Promotion zeitsparend kollagiert hat. Frau Giffey gab ministertypisch kund, sie habe ihre Arbeit „nach bestem Wissen und Gewissen“ verfasst und warte nun die Prüfung der FU Berlin ab. In der Koalition denkt man darüber nach, demnächst der Ordnung halber eine „Flott-abgepinnter-Doktor-Amnestie“ auf den Weg zu bringen.

 

Am Mittwoch verstörte der EU-Ratspräsident Donald Tusk kurzfristig die britische Öffentlichkeit mit dem Scherz, er frage sich, wie der „besondere Platz in der Hölle“ aussehe, der jene erwarte, die „ohne die Skizze eines Plans“ den Brexit vorantreiben würden. Theresa May reagierte verschnupft, denn bereits am Donnerstag war sie wieder in Brüssel zu Gast, um ihre neueste fehlende Skizze eines Plans für den Brexit vorzustellen. Fun Fact: Wenn Europa unsere Zukunft ist, dann haben wir möglicherweise keine. …

 

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Am Donnerstag rief Paris seinen Botschafter aus Rom zurück, was ungefähr so freundlich ist, wie im Garten des Nachbarn einen Waschbären auszusetzen. Unterdessen bringen die Deutschen alle auf die Palme, weil sie sich unbedingt eine neue russische Gas-Pipeline zulegen wollen. Das ist ungefähr so schlau, wie sich selbst einen Waschbären in den Garten zu setzen. Die Franzosen waren am Donnerstag noch gegen diesen Waschbären, am Freitag stimmten sie einem typisch europäischen Wischiwaschbär-Kompromiss zu. Möglicherweise ist die Waschbär-Metapher jetzt ausgereizt. Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG ist übrigens der ökonomisch immens kompetente Gerhard Schröder.

 

In der SPD erwägt man, Nord Stream 2 in „Lieber-Onkel-Putin-Pipeline“ umzubenennen.