Alice Weidel und das Lachen im Halse

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VON JUSTUS BENDER

 

Die Reden der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel sind entweder hämisch oder zornig. Das Gift ihres „Kopftuch-Mädchen“-Satzes hat vor Jahren jedoch ein anderer in die Debatte geträufelt. Ein Kommentar.

 

Alice Weidel ist keine Frau der Zwischentöne. In ihren Reden spielt die AfD-Fraktionsvorsitzende meist auf einer Klaviatur, die aus zwei Tasten besteht: Häme und Zorn. Wenn Weidel lacht, und das tut sie oft, dann über die ganze, nicht enden wollende Dummheit ihrer Gegner. Haha. Dabei kommt ein Strahlen über ihr Gesicht, eine gelöst wirkende Freude. Die hält so lange an, bis Weidel die verstimmte, zweite Taste drückt: Jetzt ist der Zorn an der Reihe.

 

Schlagartig endet der Singsang ihrer Redestimme. Sie brüllt dann zum Beispiel Anton Hofreiter von den Grünen an: „Wer zahlt denn Ihre stattliche Pension, auch Ihre, Herr Hofreiter – Sie Schreihals, ja. Ihre eingewanderten Goldstücke etwa? Das glauben Sie doch wohl nicht im Ernst!“ Wieder klirrender Akkordwechsel. Zurück zu einer betont falschen Freundlichkeit. Und so weiter.

 

Die AfD-Abgeordneten sind regelmäßig ganz aus dem Häuschen über Weidels Auftritte. Sie gilt als Einheizerin. Hinter den Kulissen wurde Weidel von wohlmeinenden Parteifreunden schon der Rat gegeben, eine größere Bandbreite an Emotionen zuzulassen. Der Verhältnismäßigkeit wegen. Weil das etliche Monate her ist, muss man annehmen, dass sich Weidel den Rat nicht allzu sehr zu Herzen genommen hat.

 

Es hat sich ein Plauderton eingeschlichen, wie in Deutschland über diese Verrohung geredet wird. Wie Weidel sich über andere lustig macht, wird auch über sie gelacht. Es lachen dann alle, und Leute, die draußen an der Tür lauschen, könnten meinen, die Deutschen seien ein besonders heiteres Völkchen geworden. Es ist aber ein kaltes, zähnefletschendes Lachen, das Kompromisse und Verantwortlichkeit, Überlegtheit und Anerkennung, die Kernzwecke der Demokratie, unmöglich macht. Und das ist nicht besonders lustig.

Manche Gifte wirken langsam. Im Grundsatzprogramm der AfD heißt es: „In der Präsenz einer ständig wachsenden Zahl von Muslimen sieht die AfD eine große Gefahr für unseren Staat, unsere Gesellschaft und unsere Werteordnung.“ Gemeint sind alle Muslime, ganz pauschal. Wenn der Satz eines Tages in den Ohren von genug Menschen wahr klingt, könnte jemand fragen, warum gegen diese Gefahr nicht vorgegangen wird. Eine Gefahr ist in der deutschen Sprache etwas, das beseitigt wird. Und wenn die Barbarei nur noch eine Assoziation entfernt ist, müsste der Spaß eigentlich aufhören.

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