Frisches Geld aus Moskau

Wie Russland antiwestliche Bewegungen in Europa finanziert

von Joachim Bartz, Arndt Ginzel und Christian Rohde

 

http://www.heute.de/frisches-geld-aus-moskau-wie-russland-antiwestliche-bewegungen-in-europa-finanziert-47235160.html

 

Ein Netzwerk russischer Geldgeber finanziert offenbar seit Jahren antiwestliche Proteste in Osteuropa. Frontal21-Recherchen belegen, dass über einen weißrussischen Geschäftsmann zehntausende Euro an nationalistische Parteien und NATO-kritische Bewegungen geflossen sind.

 

Belege für die Geldflüsse finden sich in einem sechs Gigabyte großen Datensatz, den die Redaktion ausgewertet hat. Der weißrussische Geschäftsmann Alexander Usowskij bestätigt in einem Interview mit Frontal21 nun erstmals solche Geldzahlungen: "Die politische Orientierung ist mir nicht wichtig", erklärt Usowskij. "In Polen arbeite ich mit den Rechten, in der Slowakei mit den Linken, in Tschechien mit den Linken, in Ungarn mit den Rechten."

 

Nationalistische Parteien auf der Empfängerliste

Aus den Dokumenten geht hervor, dass Usowskij beispielsweise im Oktober 2014 der "Ungarischen Garde" für Anti-NATO-Kundgebungen 3.000 Euro zahlen wollte. Die ungarische Neonazi-Partei "Jobbik" bedachte er mit 10.000 Euro. Auch in Polen führt der Geschäftsmann nationalistische Parteien auf der Empfängerliste auf. Darüber hinaus erhielten prorussische Aktivisten in Tschechien und der Slowakei mehrere tausend Euro. Verschiedene Vertreter dieser Bewegungen bestätigen gegenüber Frontal21 den Eingang der Gelder. Usowskij dokumentierte die finanzierten Aktionen in einer 40-seitigen Präsentation, die er weiteren Finanziers in Russland zukommen ließ.

 

Ein Hauptgeldgeber ist offenbar ein russischer Geschäftsmann mit persönlichem Zugang zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, der Milliardär Konstantin Malofejew. Der zahlte laut vorliegenden E-Mails 100.000 Euro an Usowskij. Gegen Malofejew verhängte die EU im Juli 2014 Sanktionen und belegte ihn mit einem Einreisestopp. Im Interview mit Frontal21 lobt Usowskij den russischen Oligarchen: "Dankeschön an Herrn Malofejew, der uns das Geld gegeben und damit etwas Gutes getan hat."