Eine Geschichte innerer Zerrissenheit

Pro und Contra zu 10 Jahren "Die Linke"

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Pro: Die Linke wird gebraucht

In Thüringen regiert mit Bodo Ramelow ein linker Ministerpräsident und ohne den Druck der Linken als Oppositionspartei würde es den Mindestlohn heute nicht geben. Die Linke hat Erfolge vorzuweisen, sagt SWR-Hauptstadtkorrespondent Mathias Zahn.

 

ie Linke wird mehr denn je gebraucht - in einer Zeit, in der die Grünen für größtmögliche Beliebigkeit stehen. Zum Machterhalt segeln sie jetzt sogar in Richtung Jamaika.

Und in einer Zeit, in der die Sozialdemokraten verunsichert in Richtung FDP schielen und immer noch nicht wissen, ob sie die Agenda-Reformen gut oder schlecht finden sollen.

 

Thüringen und Mindestlohn

Die Linke steht für Prinzipien: den Sozialstaat wieder stärken, Reiche in die Verantwortung nehmen, eine Friedenspolitik ohne Kompromisse, lieber gute Opposition als schlechte Regierung.

Dabei hat die Linke bewiesen, dass sie auch regieren kann - spätestens in Thüringen. Unter einem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow ist Thüringen nicht zur kleinen DDR geworden. Aber auch in der Opposition hat die Linke Erfolge vorzuweisen. Ohne ihren Druck würde es den Mindestlohn heute nicht geben.

 

Letzte verbliebene linke Kraft

Die Partei wird gebraucht als letzte verbliebene linke Kraft, als Antreiberin. SPD und Grüne fallen für das linke Lager aus. Sie sind auf Mitte-Kurs, um sich dort mit der rot lackierten Merkel-CDU anzulegen. Ein aussichtsloser Kampf.

Von Mathias Zahn, SWR-Hauptstadtstudio | Online: Mario Demuth

 

Contra: Diese Linke braucht keiner!

Ja, was denn nun? Besserwisser oder politische Verantwortung? Diese Linke weiß nicht, was sie will. Und deswegen taugt sie im besten Falle noch zu einer Regionalpartei Ost, findet SWR-Hauptstadtkorrespondent Stephan Ueberbach.

 

Nein, diese Linke braucht keiner! Zehn Jahre sind genug, weil die Partei immer noch nicht weiß, was sie eigentlich will. Politische Verantwortung übernehmen und in einer Regierung konstruktiv mitarbeiten oder von der sicheren Oppositionstribüne aus den klassenkämpferischen Besserwisser geben?

 

Dunkelrote Echokammern

Viele, zu viele Linke sind sich selbst genug. In der dunkelroten Echokammer funkelt die reine Lehre ja immer noch am hellsten.

Da kann man unbezahlbare Wohltaten versprechen und international einer zynischen Doppelmoral huldigen. Menschenrechtsverletzungen zum Beispiel verurteilt die Linke ja nur dann, wenn nicht China oder Russland dahinter stecken.

Die Hoffnung, eine bundesweite Kraft zu werden, hat sich für die Linke nie erfüllt. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder NRW ist sie eine Splitterpartei geblieben, mehr nicht. Sie sollte ihre Zukunft in den neuen Ländern suchen. Als Regionalpartei Ost, einer Art roter CSU.

 

Kein Erfolg im Kampf gegen die SPD

Ach so, eins noch: Die SPD hat zehn Jahre Konkurrenz von links überlebt. Leicht lädiert zwar, aber immerhin. Lafontaine und Co. sind also auch hier gescheitert.

Von Stephan Ueberbach, SWR-Hauptstadtstudio | Online: Mario Demuth