Russische Propaganda für deutsche Zuschauer

Von Camilla Kohrs

https://correctiv.org/recherchen/neue-rechte/artikel/2017/01/04/medien-RT-RTdeutsch-russia-today/

 

Der russische Auslandssender Russia Today hat die Mission, Moskaus Sicht der Dinge in alle Welt zu tragen. Er bietet europakritischen Politikern von ganz links und ganz rechts eine Bühne – Hauptsache die Interviewten sind Merkel- und europakritisch. Ausgerechnet ein AfD-Hinterbänkler aus Berlin ist ein besonders gefragter Interviewpartner bei RT.

 

Mai 2016, der Sächsische Landtag in Dresden. Jasmin Kosubek interviewt in aller Ausführlichkeit Frauke Petry. Wobei es kein Interview ist, wie es professionelle Journalisten führen würden, distanziert, skeptisch, kritisch. Nein: Frau Kosubek gibt der AfD-Chefin lediglich Stichworte und Gelegenheiten zur Selbstdarstellung. Etwa: „Sie wurden ausgeladen vom Katholikentag. Stört es Sie eigentlich, wenn Sie ja eigentlich die christlichen Werte verteidigen?“

 

Kosubek ist die bekannteste Moderatorin von RT Deutsch. Das Webportal sendet ausschließlich über Youtube und die eigene Website. Man wolle eine „Gegenöffentlichkeit herstellen“ und „Medienmanipulationen aufzeigen“ heißt es auf der Internetseite von RT Deutsch. Auffällig ist dabei die erstaunliche Nähe zur AfD. Es ist bekannt, dass der Kreml schon lange Kontakt zu rechten, anti-europäischen Parteien sucht. Und dass diese, von der ungarischen Jobbik-Partei über die französische Front National hin zur AfD, die Kontaktgesuche dankend annehmen.

 

RT Deutsch ist ein Ableger des russischen Auslandssenders RT, der bis 2009 noch Russia Today hieß. RT wirkt auf Zuschauer wie ein klassischer Nachrichtensender, ähnlich wie BBC oder CNN. Nur dass RT sich eben, im Auftrag des Kreml, der russischen Sichtweise verschrieben hat. Er sendet auf Englisch, Arabisch und Spanisch. Weitere Webportale gibt es auf Französisch und Russisch. Wie RT selbst mitteilt, hat sich die russische Regierung den Sender 2016 rund 270 Millionen Euro kosten lassen. Nach eigenen Angaben erreicht RT weltweit 700 Millionen Menschen in über 100 Ländern. Doch diese hohe Zahl ist zweifelhaft. Wahrscheinlich beschreibt sie lediglich die theoretische Reichweite. Die Zahl der Menschen, die den Sender tatsächlich einschalten, dürfte weit geringer sein.

 

Die verschiedenen Internetseiten von RT besuchen nach Schätzungen des Online-Dienstes Alexa weltweit knapp 12 Millionen Menschen täglich. Die Seiten von CNN und BBC, mit denen sich RT gern vergleicht, haben knapp dreimal so viele Besucher.

 

„Der fehlende Part“

 

Herzstück von RT Deutsch ist „Der fehlende Part“. Moderatorin Jasmin Kosubek will in der wöchentlichen Sendung zeigen, wie die westlichen Medien manipulieren, was verschwiegen und ausgelassen wird. Dass die AfD in Deutschland keineswegs totgeschwiegen und Frauke Petry auch bei öffentlich-rechtlichen Sendern oft zu Talkshows eingeladen wird, irritiert Kosubek nicht.

 

Nicht nur Petry, auch der zweite AfD-Parteivorsitzende Jörg Meuthen, Stellvertreterin Beatrix von Storch, Wiebke Muhsal vom Thüringischen AfD-Landesverband und Hugh Bronson vom Landesverband Berlin sind bei RT Deutsch aufgetreten. Auch Politiker der LINKEN, wie das Ehepaar Sarah Wagenknecht und Oskar Lafontaine, sind gern gesehene Gäste. Politiker der anderen im Bundestag vertretenen Parteien hingegen kommen kaum vor. Es sei denn, sie kritisieren ihre Parteikollegen scharf. Wie Thomas Jahn, CSU’ler, Merkel-Gegner und Streiter gegen den Rundfunkbeitrag. Auch Globalisierungskritiker und Verschwörungstheoretiker kommen ausführlich zu Wort. Schließt RT Politiker von SPD, Grünen, FDP und CDU bewusst aus? Darauf wollte RT auf Anfrage von CORRECTIV hin keine Stellung nehmen.

 

Ein Hinterbänkler im Staatsfernsehen

 

Auch der englischsprachige TV-Sender RT International bittet häufig Funktionäre von LINKE und AfD zum Interview. Der weithin unbekannte Berliner AfD-Abgeordnete Frank Hansel zum Beispiel durfte bereits mindestens acht Mal bei RT-International auftreten und sich zum Brexit, den Anschlägen in Würzburg und Ansbach oder neurechten Kundgebungen in Thüringen äußern.