Frauke Petry gibt die Kanzlerin

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AfD-Politikerin Frauke Petry spielt an Silvester Kanzlerin auf Facebook. Was wohl Björn Höcke dazu sagt? Ein Kommentar von Katja Thorwarth.

 

Kalifin anstelle der Kalifin will Frauke Petry, AfD-Politikerin, nicht erst seit dem 30. Dezember werden. Am Silvesterabend hat die Bundesvorsitzende der Rechten aber schon mal geübt und in ihrer Parallelöffentlichkeit auf Facebook eine Neujahrsansprache gehalten, die für gewöhnlich den Amts- und Würdenträgerinnen vorbehalten bleibt.

 

„Meine Damen und Herren, liebe Landsleute“, setzt Petry in taubengrauem Blazer um 20.10 Uhr staatstragend an, während dem öffentlich-rechtlichen Lügenrundfunk samt Angela Merkel derweil die Knie schlottern. So jedenfalls scheint der Petry-Plan, die sich – gedanklich wohl im Kanzleramt – bereits im zweiten Themenblock („mein Dank gilt heute vor allem den Polizeibeamten“) an die Polizei anwanzt; kann ja nichts schaden, sich die Exekutive bei Laune zu halten.

 

Ansonsten bietet ihr D-Filmchen inhaltlich nichts Neues. „Es gab einmal ein Gestern, in dem es undenkbar war, dass eine Frau an einem Seil hinter einem Auto hergeschleift wurde“, zeichnet Petry das Bild von einem Deutschland, in dem einst Milch und Honig flossen, zumindest für die Deutsche, denn Gewalt gegen Frauen haben bekanntlich die Migranten erfunden. Weiter fantasiert sie von einem „… Gestern, in dem es keine staatlich kontrollierte Gesinnungskontrolle im Internet gab“, die es nach wie vor nicht gibt, sonst wäre der Clip längst nicht mehr im Netz. Natürlich dürfen auch die Zwölfjährigen nicht fehlen, die angeblich nur noch über Sexualpraktiken unterrichtet werden, statt „über Dichter und Denker“, was auch 2017 noch nicht wahr ist, und ebenso wenig der beinahe obligatorische Brecht, der sich im Grab vermutlich wunddreht angesichts derer, die ihn permanent missbrauchen.

 

Frauke Petry predigt amateurhaft ins Bild gesetzt aus einem ostdeutschen Hinterzimmer, die farbliche Anmutung pflegt den 70er-Jahre-Charme der Filme aus der Ex-DDR, was sie mit ihren Händen treibt, weiß kein Mensch und die ungebügelte Deutschland-Fahne beißt sich mit dem bordeauxroten Vorhang, der mit viel gutem Willen maximal zum Lippenstift passt. Da müssen sie von der AfD noch ein bisschen daran feilen.

 

Aber immerhin der Text sitzt, da wird der Höcke Björn sicherlich grün vor Neid: „Wir wollen unser Land zurück, …, von der grünstichigen Medienlandschaft,…, wir wollen die Käseglocke aufbrechen, unter der dieses Land das freie Atmen verlernt hat“. Schön, Frau P., dann wollen „wir“ einmal hoffen, dass der Käse unter der Glocke nicht riecht wie eine dreiunddreißig Jahre überreife Harzer Rolle, was zu vermuten ist, schaut sich die Interessierte in den Kommentaren bei Facebook ein bisschen um.

 

„Ruhm und Ehre der AfD“,  heißt es unter anderem, Petry for Kanzlerin an anderer Stelle, oder einfach nur „Ich liebe Dich“. Alles gruselig genug, doch „Petry Kanzlerin, von Storch Bundespräsidentin“, spinnt den Faden dann zum grotesken Drama. Das Kopfkino hat wirklich keiner gebraucht.