Steinmeier auf Kreml-Kurs

 

Von Boris Reitschuster

http://www.reitschuster.de/index.asp?typ=&newsid=27257

 

Steinmeier nennt es "fatal", den Blick auf das Militärische zu verengen und in einer Abschreckungspolitik das Heil zu suchen. Ganz so, als habe Putin nie die Krim überfallen und die Ostukraine angegriffen, als rüste er nicht hoch und militarisiere sein Land nicht. Ganz so, als übe Moskau nicht den Einmarsch im Baltikum und fliege keine Scheinangriffe. Erst vor kurzem hatte Steinmeier ein Ende der Sanktionen gegen Moskau in Aussicht gestellt - ohne Absprache und sehr zum Ärger der Kanzlerin, wie aus Unionskreisen zu hören war. Ob da ein Gasprom-Posten winkt?

 

Zum Vorabbericht über Steinmeiers Interview: http://www.spiegel.de/politik/ausland/frank-walter-steinmeier-kritisiert-nato-manoever-in-osteuropa-a-1098360.html

 

 

Russische Reaktionen zum Olympia-Ausschluss:

 

„Das war die härteste und ungerechteste Entscheidung in der Geschichte des Sports“ – so kommentiert die kremlgesteuerte „Komsomolskaja Prawda“ (KP), die größte Boulevardzeitung im Land, Russlands Leichtathletik-Olympia-Ausschluss: „So einen Schlag hat der Weltsport nie erlebt. Russland ist nicht nur eine Sport-Weltmacht. Es ist eine der Stützen des internationalen Sportes“. Weiter schreibt das Blatt: „Seien wir ehrlich, wir haben nicht an einen guten Ausgang geglaubt.“ Als Beweis führt die KP unter anderem die Ausstrahlung der ARD-Doku zum Thema Doping an – so als ob deutsches Fernsehen und Sportverband Hand in Hand arbeiten.

 

„Nichts außer Politik“ stehe hinter der Entscheidung, klagt die legendäre Leichtathletin Tatjana Lebedewa, die heute im Föderationsrat sitzt, in der „Iswestija“. Es gehe darum, die Russen aus dem Weg zu räumen, so in der gleichen Zeitung der prominente Publizist Maxim Kononenko. Die WADA würde auch nicht-russische Athleten enttarnen, aber man richte alle Aufmerksamkeit nur auf die Russen: „Man schlägt an dieser Stelle zu, weil Sport für Präsident Putin wichtig ist, und wenn man ihn aus dem Gleichgewicht bringt, kann er einen außenpolitischen Fehler machen, und dann können sich alle auf ihn stürzen.“ Kononenko hatte kürzlich geschrieben, ihm gefalle "ein russischer Schläger, der einem anderen, nicht russischen Typen den Kiefer zertrümmert", und er könne nicht verstehen, warum Russland die Krawallmacher bei der EM verurteilen solle. Sie seien so etwas wie die Avantgarde im Kulturkampf mit dem Westen: "Soll es in der Hölle schmoren, dieses Europa".

 

„Ist die Disqualifikation eine Verschwörung gegen Russland?“, fragt Nikita Kusin auf championat.ru diverse Prominente. „Das ist eine Menschenrechtsverletzung“, antwortet die zweifache Olympiasiegerin Jelena Isinbajew: „Ich werde mich an den Menschenrechtsgerichtshof wenden“. Alexander Koslowski vom Nationalen Olympischen Komitee sagt: „Ich habe den Wunsch, aus dem Olympia-Museum in Lausanne die Büste von de Coubertin herauszutragen, auf dem Asphalt zu zertrümmern und die Teilchen wegzuschmeißen!“ Unter den Antworten sind auch einige nachdenkliche– etwa von Tennisstar Jewgeni Kafelnikow. Und der sonst so brachiale Duma-Vizechef Igor Lebedew, Sohn von Polit-Clown-Schirinowski, mahnt, man müsse jetzt an personelle Konsequenzen denken: „Wenn bei uns selbst große Sportler öffentlich die Einnahme von Doping zugeben oder sich weigern, Proben abzuliefern – was soll man da machen?“

 

Quellen: http://www.kp.ru/daily/26543/3560303/

http://izvestia.ru/news/618587

http://izvestia.ru/news/618334?intref=relapinline

http://www.championat.com/other/article-250144-vopros-dnja-diskvalifikacija-vfla---eto-zagovor-protiv-rossii.html