30. Juni 2017

SEK-Polizisten aus Sachsen in Reeperbahn-Bordell verprügelt

08.09.2011

 

Beamte des SEK prügelten sich nach Zahlungsstreit im "Eros-Laufhaus" mit Wirtschaftern. Polizisten der Davidwache mussten schlichten…

 

Hier weiterlesen: http://www.abendblatt.de/hamburg/article108101803/SEK-Polizisten-aus-Sachsen-in-Reeperbahn-Bordell-verpruegelt.html?__pwh=bDi0t64DkA%2F2mAuUBElv9w%3D%3D

28. Juni 2017

Kleines Feld, keine Floskeln, Ausgang egal

Oh, wie schön ist Confed Cup

Aus Sotschi berichtet Peter Ahrens

 

http://www.spiegel.de/sport/fussball/confed-cup-sieben-gruende-dieses-turnier-zu-lieben-a-1154417.html

 

Der Confed Cup in Russland erfreut sich keiner großen Beliebtheit. Dabei sollte man das ganz anders sehen: Hier findet der Fußball zu sich selbst zurück. Sieben Gründe, die Veranstaltung zu lieben.

 

Niemand mag den Confed Cup. Überflüssig, sportlich unbedeutend, ausgetragen zudem in einem Land mit einem Regime, dessen Reputation, sagen wir, zweifelhaft ist - das ist die gängige Lesart in Deutschland. So haben sich auch folgerichtig kaum DFB-Fans nach Russland aufgemacht, die Starspieler sind ebenfalls nicht dabei und in den Sommerurlaub gefahren. Dieses Turnier hat keinen guten Ruf.

 

Warum eigentlich? Es gibt doch genug Gründe, den Confed Cup zu lieben. Vor dem Halbfinale der DFB-Elf gegen Mexiko (29.6., 20 Uhr) präsentieren wir sieben.

 

1. Der Umfang: Die ganze Welt klagt über die Aufblähung von Welt- und Europameisterschaften. Fifa-Boss Gianni Infantino hat mittlerweile die 48er-WM durchgedrückt. Bald werden sich auf sanften Druck des Weltverbands Regionen wie der Spreewald oder die Camargue von ihren Ländern abspalten müssen, um die Anzahl der Teilnehmer bei großen Turnieren erfüllen zu können.

 

Wie rührend nimmt sich dagegen der Confed Cup aus. Ein schnuckeliges kleines Turnier mit acht Teilnahmeländern. Das ist wie früher. Man braucht kaum eine Viertelstunde, um alle Mannschaften, die mitmachen, auswendig zu lernen. Es ist gar genug Muße vorhanden, den Namen des australischen Trainers (Angelos Postecoglou) buchstabieren zu üben. Und die Panini-Sammelalben haben noch nicht die Dicke des SPD-Wahlprogramms.

 

2. Die Atmosphäre: Angenehmer kann man ein Turnier nicht erleben. In Restaurants und Kneipen der Spielorte und im Stadion sowieso findet man immer einen freien Platz. Es gibt keine Fanhorden, die singen: "Die Nummer eins der Welt sind wir." Chilenen und Mexikaner sorgen für den Folklore- und Stimmungseffekt, sodass auch die Fernsehsender für ihre Vorberichterstattung etwas zum Zeigen haben. Nirgendwo Public Viewing. Traumhaft.

 

3. Der Wellnessfaktor: Bei der EM in drei Jahren fliegen Fans, Journalisten und Spieler zwischen 13 europäischen Ländern hin und her. Und hier: Sotschi - Kasan - Sotschi. Es gibt keinen großen Reisestress, man kennt die Orte, und man schätzt sie. Russland ist schön. Die Sonne und das wunderbar blaue Schwarze Meer in Sotschi, die Anmut von Kasan, dort wo Christentum und Islam zusammenfließen wie die Wolga und der Kasan-Fluss. Die Reisenden werden am Flughafen von den Taxifahrern mittlerweile wie alte Bekannte begrüßt. Über das Feilschen um den Fahrpreis sind hier schon Freundschaften fürs Leben entstanden.

 

4. Kein Gedöns: Um die Spiele herum wird kein großes Gewese gemacht. Keine Stadionshow, kein Stadionsprecher brüllt schon Stunden vorher ins Mikrofon. Keine Baumarktkette präsentiert das Eckballverhältnis. Irgendwann scheppern die Nationalhymnen über die Lautsprecher, und dann weiß man, das Spiel beginnt. Einziges Gimmick, das sich die Fifa gönnt: Der lebensgroße Hashtag auf dem Platz. Das inoffizielle Maskottchen dieses Turniers.

 

5. Der DFB: Durch die enge Taktung des Spielplans bleibt dem DFB keine Zeit und keine Arbeit, eigene Pressekonferenzen für die Journalisten zu organisieren. So müssen Amin Younes, Bernd Leno und Co. auch nicht sagen, sie spüren das Vertrauen des Trainers, dass man eine Super-Truppe ist, in der jeder für jeden spielt und dass man sich trotz der Wechselgerüchte derzeit keinen Kopf macht, weil man sich ganz auf das Turnier konzentriert. Es gibt auch keine vermeintlich launigen Thomas-Müller-Sprüche. Weil Müller gar nicht da ist.

 

6. Der "Komm-runter-Faktor": Dieses Turnier lässt auf beeindruckende Weise die Luft aus der Branche. Die Relevanz dieses ganzen aufgepumpten Fußballbusiness relativiert sich, wenn man Deutschland gegen Australien beim Confed Cup zuschaut, als sehe man mit der Bratwurst in der Hand den Bonner SC gegen den SC Wiedenbrück antreten. Es ist in diesem überhitzten Genre ein Turnier, so auf Untertemperatur heruntergedimmt, wie es die Klimaanlage mit den Medienzentren des Turniers tut.

 

Selbst der Videobeweis mit seinem großen Potenzial, absurde Situationen zu schaffen, reicht nicht dafür aus, das Blut in Wallung zu bringen. Kameruns Trainer Hugo Broos konnte sich nach dem Spiel gegen Deutschland eher darüber amüsieren, dass sein Team durch eine merkwürdige Videoentscheidung auf die Verliererstraße geschickt wurde. Kein Drama, nirgends. Nicht einmal die Frage aus der fernen Heimat, ob man die Vorberichterstattung im Fernsehen lieber mit Mehmet Scholl oder mit Tobias Escher schauen sollte, ist wichtig. Man traut sich einen Satz zu schreiben, an den man sich seit Jahren nicht mehr herangewagt hat: Es ist nur Fußball.

 

7. Ergibt sich aus dem 6. Punkt: Ob Deutschland gewinnt oder verliert, weiterkommt oder ausscheidet, ist, ehrlich gesagt, vollkommen egal. Ach, wenn doch immer Confed Cup wäre.

17. Juni 2017

Die AfD hat einen Song veröffentlicht - er zeigt endgültig, warum niemand die Partei wählen sollte

 

(mit einem Kommentar von mir, Wanda Müller) 

 

http://www.huffingtonpost.de/2017/06/15/die-afd-hat-einen-song-veroffentlicht---er-zeigt-endgultig-warum-niemand-die-partei-wahlen-sollte_n_17126196.html?utm_hp_ref=germany

 

Die AfD ist in Deutschland gerade alles andere als beliebt. Rechtes Liedgut ist es aber leider schon - das zeigt schon der Erfolg des wirren Verschwörungssängers Xavier Naidoo.

 

Ein Umstand, den die kriselnden Rechtspopulisten für sich ausnutzen wollen. Und so hat die AfD-Niedersachsen tatsächlich einen Wahlkampfsong aufgenommen.

 

Helfen wird das der Alternative für Deutschland aber wohl nicht. Vielmehr zeigt der "AfD Song" endgültig, warum niemand diese Partei wählen sollte.

 

Rechte Panikmache zum Mitklatschen

Das liegt nicht nur am unsäglichen Stil des 0815-Schlagerpop, in dem das AfD-Lied daherkommt - sondern vor allem am peinlich rechtsnationalistischen Text:

 

Mit Schengen oder Maastricht hat Mutti nichts am Hut

Will nur noch mehr Migranten, der Bürger schäumt vor Wut

 

So hetzt die AfD in ihrem Song gegen die "Altparteien", mit denen ja "alles schief" laufe. Da gebe es nur eine Chance: "Und die heißt AfD". Denn:

 

Es ist für unser Deutschland inzwischen höchste Zeit

Sonst macht heimlich und leise die Scharia sich breit

 

Deutschland und Europa vor so grausigen (und absurden) Gefahren retten, können laut dem rechten Schlagergedudel natürlich nur die "blauen Patrioten", die bald jedes Kind kenne - schließlich sei die AfD "einig und stark" und ziehe bald "für unser Deutschland ein in den Bundestag".

 

Verschwörungsgeschwurbel und Hetzen gegen "Mutti"

Daran lassen die sinkenden Umfragewerte der AfD jedoch berechtigte Zweifel zu.

 

Da hilft es auch nicht, wenn die Partei ihr rechtes Verschwörungsgeschwurbel durch den Schlagerfleischwolf dreht. Ganz im Gegenteil, wie die große Empörung über Xavier Naidoos Song "Marionetten" gezeigt hat.

 

Zur populistischen Holzhammerart der AfD passt es da, dass die AfD-Niedersachsen auf ihrer Soundcloud-Seite genau diesen Song empfiehlt.

 

 

 

Zur Erinnerung.

 

Im AfD-Programm steht zur deutschen Kultur (http://afd.berlin/themen/grundsatzprogramm/):

„Für die AfD ist der Zusammenhang von Bildung, Kultur und Identität für die Entwicklung der Gesellschaft von zentraler Bedeutung. Wir wollen den Einfluss der Parteien auf das Kulturleben zurückdrängen sowie gemeinnützige private Kulturstiftungen und bürgerschaftliche Kulturinitiativen stärken.

  • Deutsche Leitkultur statt Multikulturalismus
  • Die deutsche Sprache als Zentrum unserer Identität
  • Ein Islam, der unsere Rechtsordnung nicht akzeptiert, gehört nicht zu Deutschland
  • Keine Vollverschleierung im öffentlichen Raum
  • Für eine zeitgemäße Medienpolitik – GEZ und Rundfunkbeitrag abschaffen“

 

Mit dem Song der AfD Niedersachsen wurden Maßstäbe gesetzt und die Latte für die deutsche Kultur sehr hoch gelegt. Das besorgte deutsche Publikum jubelt ob dieser musikalischen Meisterleistung.

 

Ich falle da wie Millionen Deutsche aus dem AfD-Kulturrahmen. Bin aber auch kulturlos. 

Meine Musikendlosschleife beginnt heute mit Carolin Kebekus „Wie blöd Du bist“  

über Die Prinzen „Deutschland“ 

über Die Ärzte „Schrei nach Liebe“ 

über Grönemeyer „Die Härte“

landet letztendlich bei Beethovens „Ode an die Freude“ 

An manchen Tagen kommt noch Tschaikowskis „1. Klavierkonzert b-Moll“ hinzu 

Oder Gershwins „Rhapsody in blue“ 

Oder Verdis gesammelte Werke oder Ravels Bolero 

oder oder…

 

Ei der Daus, die Letztgenannten sind ja gar nicht deutsch. Wie peinlich ist das denn von mir, dem AfD-Kulturbaunausen. 

11. Juni 2017

Was hinter der Nazi-Romantik von Fräulein Hess steckt

Von Elisabeth Veh

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/politik-gesellschaft/nazibraut-goes-instagram-100.html

 

Plumpe Hakenkreuz-Symbolik war gestern - rechtsextreme Ideologien verbreiten sich heute implizit im Netz: durch junge, rechte Frauen. Sie inszenieren sich selbst mit Natur-, Food- und sexy-Braut-von-nebenan-Ästhetik auf Instagram, Tumblr oder YouTube. Eine rechte Emanzipationsbewegung?

 

Um den "Nipster", den Nazi-Hipster in Skinny-Jeans, Ringelshirt und Ray-Ban Brille, rankten sich ja lange Legenden – gibt es ihn wirklich, oder ist er nur ein Konstrukt der Medien? Seitdem die Identitäre Bewegung versucht, mit hip daherkommenden Aktionen und im Netz auf ihr fremdenfeindliches, rechtsextremes Weltbild aufmerksam zu machen, ist zumindest diese Frage geklärt. Was hingegen weiterhin widersprüchlich ist: Die Rolle vieler Frauen in der rechten Szene. Die hat sich verändert. Die neuen, jungen rechten Frauen inszenieren sich jetzt selbst - im Netz.

 

Das sieht man gut am Beispiel des Tumblrs "Fräulein Hess". Vor einer Woche war "Fräulein Hess" offenbar romantisch drauf. Da postete sie ein Bild von geblümten Vintage-Tässchen, drapiert auf einem kleinen Stapel alter Bücher, mit rosa Schleife und frischen Schnittblumen. Es geht auch viel um Flechtfrisuren, um Fitness, um Mutterschaft und um gesunde Ernährung. Wir sehen also viele Zöpfe, viele trainierte Ärsche und: viel Müsli. "Fräulein Hess" könnte so ein klassischer Instagram-Pinterest-Foodie-Hipster sein, wenn nicht zwischendurch mal eine Frau eine Strickmütze mit Hakenkreuz drauf tragen würde. Wenn nicht die Nazi-Pilotin Hanna Reitsch die Hand zum Hitlergruß heben würde. Oder ein NS-Offizier im Wald knutscht.

 

Subversiv und sexy - das ist neu

Die Nazi-Romantik von Fräulein Hess ist beim genauen Hinsehen ebenso wenig Zufall wie ihr Name. "Fräulein Hess will uns sagen, dass es heutzutage sehr modern sein kann, sich rechtsextrem zu inszenieren und trotzdem superstylisch zu sein," sagt Esther Lehnert. Sie ist Erziehungswissenschaftlerin und Rechtsextremismusexpertin. Zusammen mit Heike Radvan hat sie Ende vergangenen Jahres das Buch "Rechtsextreme Frauen" veröffentlicht. Seiten wie die von "Fräulein Hess" kennt sie einige. Junge Frauen inszenieren da ihre rechte Weltanschauung – und zwar über sich selbst. Mit Filter, subversiv und sexy. Das ist neu, sagt Esther Lehnert, bisher konnten sich selbstbestimmte, und vor allem sich-sexy-inszenierende Frauen in der rechten Szene nie lange halten. Das passt zu einem absurden Phänomen, das Esther Lehnert seit einiger Zeit beobachtet: Die Selbstermächtigung von Frauen in der rechten Szene. Das funktioniert, sagt Lehnert: "Ich glaube, dass sie sehr anschlussfähig sind und damit natürlich sehr erfolgreich."

 

Absurd ist diese neue Rolle trotzdem: weil es eine Emanzipation ist, die gleichzeitig rassistisch und antifeministisch ist. Darüber stolpert selbst die Expertin Esther Lehnert zuweilen: dass Frauen so offen antifeministische Positionen einnehmen und das gleichzeitig Teil ihrer eigenen Selbstermächtigungsstrategie ist. "Das heißt, nicht in Solidarität mit anderen und sowieso nicht in Solidarität mit anderen Frauen, die der Volksgemeinschaft nicht zugehörig sind. Die dortige Selbstermächtigung ist also immer gepaart mit Ideologien der Abwertung anderer."

 

Postergirl der Identitären

Sprechen wir also über Melanie Schmitz. Sie ist so etwas wie das Postergirl der Identitären Bewegung geworden. Und sagt zwar einerseits, dass sie sowas wie Feminismus nicht braucht, fordert aber andererseits mehr Engagement für Frauen, auch von Frauen – allerdings nur bei einem bestimmten Thema: wenn es um Sexualstraftäter aus dem Ausland geht. Wenn Melanie Schmitz gerade nicht auf einer Demo zur Grenzschließung aufruft oder mit "Kontrakultur Halle" Pfeffersprays an deutsche Frauen verteilt, dokumentiert sie ihr Leben auf Instagram – von der Frühstücksavocado bis zum Faschingskostüm – oder singt gegen Jennifer Rostock an.

 

Die Identitäre Bewegung hat in einem internen Schreiben dazu aufgerufen, bei der Dokumentation der Aktionen vorzugsweise Frauen medienwirksam im Bild zu platzieren – das berichtet die taz. Und Martin Sellner, der Kopf der österreichischen Identitären Bewegung, sagte im Interview mit jetzt.de, er sei den jungen Frauen "sehr dankbar" für ihr Engagement. Von einer Instrumentalisierung à la NPD, die irgendwann ja auch kapiert hat, dass Frauen beim braunen Infostand besser ankommen als aggressive Glatzen, will Esther Lehnert heute aber nicht sprechen. Im Gegenteil: Da sei es keine Instrumentalisierung, die wollten das so. "Die machen das gerne. Die finden das super." 

 

Auf den ersten Blick "ganz unschuldig"

Dabei sparen sich die neuen, rechten Frauen plumpe Hakenkreuz-Symbolik, die illegal ist und vielleicht auch abschreckend wirkt. Eine Studie der Jakobs Universität Bremen hat vor kurzem herausgefunden, dass "rechtsextreme Ideologien im Internet nicht etwa allgemein öffentlich verbreitet werden, sondern nur versteckt und implizit". So zum Beispiel auf frauenpanorama.de, auch so einer rechten Frauen-Seite. Da gibt es Dating-Tipps und Strategien, wie man den Ex zurückbekommt. Zwischendrin wird gegen Merkel gehetzt und die Angst vor Flüchtlingen geschürt, Frauen aus der rechten Szene geben in Interviews die besorgten Mütter. Experten nennen solche Seiten '"cloaked" - also verhüllt, auf den ersten Blick "ganz unschuldig". Und das klingt in Bezug auf rechte Frauen bekannt - man müsse nur daran denken, wie Beate Zschäpe dargestellt wird, sagt Esther Lehnert. Niemand fragte sich bei den männlichen Mitangeklagten: Warum hat Herr Wohlleben diese Verbrechen mitgeplant und mitbegangen? "Das fragt niemand. Weil es sozusagen eine Logik hat, dass er das als rechtsextremer Mann tut, aber dass es rechtsextreme Frauen gibt, ist so absurd und wenn sie dann auch noch gewalttätig sind, dann klappt das überhaupt nicht mehr, das im Kopf zusammenzusetzen."

 

Die scheinbare Selbstermächtigung von rechten Frauen im Netz könnte einen ähnlichen Effekt haben. Und der Szene einen modernen, unschuldigen Look verpassen – obwohl sie genau das Gegenteil ist.

 

06. Juni 2017

 

 

Die Prinzen - Deutschland